Mein neuer Roman heisst: Der Pärkler
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Der Pärkler Ich erhoffe nichts. Ich fürchte nichts. Ich bin frei. Nikos Kazantzakis
I. Prolog. Ein Freund. Ein Freund rief mich vor ein paar Tagen an, ob ich Lust hätte, mich mit ihm in der Stadt auf ein Bier zu treffen. Er sei zufällig in der Gegend. Wir hatten uns schon eine Weile nicht mehr gesehen und so musste ich nicht lange überlegen. Wir verabredeten uns um 17.45 Uhr im „Goldenen Kalb“. Franz, mein Freund, führt ein sehr strukturiertes Leben, weshalb mich auch die Uhrzeit nicht wunderte. Wer verabredet sich schon um Viertel vor?
Der Abend. Nach einer herzlichen Begrüßung nahmen wir in einer ruhigen Ecke des Wirtsauses Platz, bestellten zwei Stangen, und tauschten uns zu Beginn, wie man das in unserem Alter so macht, über unsere gegenwärtigen körperlichen Befindlichkeiten aus. Bref! Die weiteren Diskussionen und Anekdötchen, aus lange zurückliegenden Zeiten, sind in diesem Zusammenhang irrelevant. Der Abend ging feuchtfröhlich zu Ende. Wir hatten uns bereits verabschiedet, als mir Franz mit den Worten, das könne mich vielleicht interessieren, einen USB-Stick überreichte, wünschte mir noch alles Gute und bis zum nächsten Mal. Bevor ich noch etwas sagen konnte, war er bereits in der grauen Novembernacht verschwunden. Typisch Franz.
Der nächste Morgen. Am nächsten Morgen wachte ich leicht verkatert auf, ging zu meinem Schreibtisch, sah den USB-Stick, erinnerte mich, schloss ihn an meinem Computer an und las mit leichtem Erstaunen den erscheinenden Text. Es schienen einige Seiten zu fehlen. Einiges erschien mir nicht logisch, was für mich jedoch den Reiz des Textes ausmachte. Zunächst konnte ich den Text nicht einordnen. Dann jedoch erinnerte ich mich eines kurzen Artikels, den ich in der hiesigen überregionalen Zeitung gelesen hatte. Ich habe mich entschlossen diesen kurzen Text, den mir Franz überlassen hatte, mit einigen Anmerkungen, die ich für notwendig erachte, zu veröffentlichen, ohne zu sehr eingegriffen zu haben. II. Der Pärkler.
Der Park. Ja, jetzt sitze ich hier. Wieder hier. Wie oft habe ich hier gesessen? Jahre sind vergangen, seit ich das letzte Mal hier auf dieser grün gestrichenen Bank meinen Gedanken nachhing … und doch hier scheint die Zeit, stehengeblieben zu sein. Alt bin ich geworden, aber der Park ist immer noch gleich. Quadratisch. Jedenfalls fast quadratisch. Ich schätze hundert mal hundert Meter. Die gleichen Bäume wie vor vierzig Jahren. Ihnen sieht man nicht an, um wie viele Jahre sie gealtert sind. Das Laub ist dichter geworden, im Gegensatz zu meinem Haar. Hatte ich in meiner Jugend braune Haare? Es ist früh am Morgen. Ein bisschen kalt. Zu kalt für die Jahreszeit würde es wohl im Fernsehwetterbericht heißen. Der Wetterbericht ist wichtig. In diesem Land ist der Wetterbericht außerordentlich wichtig. Aber den schaue ich mir schon lange nicht mehr an. Man sieht ja wie das Wetter ist, wenn man morgens aus dem Fenster schaut. Aber die Temperatur … Das ist so eine Sache … Ich habe einmal in einer Stadt gewohnt. Ich glaube es war L. Strahlend blauer Himmel. Man hätte meinen können, im T-Shirt auf die Straße … aber dann diese Bise. Die Leute, die neu in der Stadt waren, holten sich eine Refroidissement, keine Grippe, sondern nur eine Erkältung. Ich habe mir einen kleinen Luxus geleistet und mir einen Kaffee und ein Gipfeli in der naheliegenden Bäckerei gekauft. Es ist sieben Uhr. Hier ist die Stadt noch nicht richtig erwacht. Aber das Sonnenlicht bricht langsam durch die Baumkronen und blendet mich. Ich muss meine empfindlichen Augen mit der Sonnenbrille schützen. Die Decke, die auf meinen Knien liegt, kann ich in den Rucksack packen. Ich bin immer mit meinem Rucksack unterwegs. Wo sonst sollte ich die wichtigen Dinge, die ich immer bei mir haben muss, verstauen? Frauen, jede Frau hat mehrere, haben Handtaschen, die wohl von Männern erfunden worden sind. Handtaschen sind ein Mysterium. Zumindest für Männer. Sieben Bänke stehen in diesem Park. Sieben nicht fünf oder acht. Nein sieben! Ich bin kein Zahlenmystiker. Weiss Gott, nicht. Aber dass es hier ausgerechnet sieben Bänke in einem nahezu perfekt quadratisch ausgerichteten Park gibt … Nun den wenigsten Leuten fällt so etwas auf. Warum sollte es auch? Die meisten hasten vorbei. Wichtigeres im Sinn. Oder auch nichts. Anfangs war mir dieses Detail auch nicht aufgefallen. Wer zählt schon die Bänke in einem Park? Die Bäume habe ich nie gezählt. Wozu auch? Baum ist Baum. Ich kenne nicht einmal die Namen der Bäume, die hier stehen hier stehen. Da zwei oder drei der Bäume bereits Früchte trugen, konnte ich sie als Kastanienbäume identifizieren. Den anderen habe ich im Laufe der Zeit, die ich hier verbrachte, Namen gegeben. Männliche Namen. Ich weiß nicht warum. Es gibt doch schon männliche und weibliche Bäume. Oder? Ich bin kein Biologe. Jedenfalls beginnen die Namen mit P. Peter, Paul, Pascal, Philipp, Pierre, Patrick und natürlich heißt der größte und stärkste Petrus, auf den Du[1] ja Deine Kirche bautest. Aber das ist ein anderes Thema. Da mir nicht so viele Vornamen mit P eingefallen sind, habe ich sie in meinem Kopf unterschiedlich geschrieben. So gibt es einen Philip, einen Phillip und einen Philipp. Ebenso gibt es einen Paul den Ersten, den Zweiten, den Dritten usf. Die Bänke haben den hier üblichen grünen Normanstrich. Bänke im Park müssen grün sein. Eine Bank muss sich der Umgebung anpassen. Eine rote Bank in einem grünen Park würde stören. Ich glaube, es gibt nur grüne und rote Bänke in diesem Land. Wo jedoch die roten Bänke stehen, weiß ich nicht, werde mein Augenmerk jedoch darauf richten, wenn ich das nicht vergesse. Vielleicht gibt es da eine Systematik. Im Wald jedoch stehen oft braune Bänke. Die Farbe Braun mag ich nicht. Braune Kleidung steht mir nicht. Braun lässt mich kränklich aussehen. Wenn man die Zähne nicht putzt, werden sie braun. Über Politik möchte ich mich nicht auslassen. Das ist ein anderes Thema. Davon verstehe ich nichts. Und wie schon Luther sagte: Jede Herrschaft ist eine gottgewollte. Manchmal sieht man eine weiße oder naturholzbelassene Bank, die natürlich nicht naturbelassen worden ist, sondern nur den Eindruck erweckt, dass dem so sei. Es gibt Bänke und Banken, aber das lass ich jetzt einfach mal so stehen. Aber mich würde schon auch noch interessieren, ob es Bänkeländer und/oder Bankenländer gibt. Für mich ist S ein typisches Bankenland. Aber eigentlich gibt es hier seit kurzem nur noch eine Bank. Diese Bank stiftet in letzter Zeit sehr viele Bänke. Wahrscheinlich damit darauf dann die Männer und Frauen, die Menschen, sitzen können, die die Bank entlassen musste. Aber davon verstehe ich nichts. Die durchschnittliche geografische Höhe des Platzes beträgt 440 Meter. Ich habe die Bänke, da jede ihren eigenen Charakter hat, für mich durchnummeriert, d.h. nicht der astronomischen, sondern meiner persönlichen Ordnung nach. Die größte Gemeinsamkeit der Bänke besteht darin, dass sie alle grün sind. Die Bänke eins und fünf bieten das ganze Jahr über Schatten und Schutz. [1] Ich gehe davon aus, dass mit dem «Du» eine transzendentale Macht gemeint ist – wahrscheinlich der katholisch-christliche Gott. |

